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Montag, 30. März 2015

Raumplanung und Bildung - Tanja 


-  Montessori-Gesamtschule Potsdam (Reinhard kahl)


Kommentar zum Video:


In dem Video wird die Montessori Gesamtschule Potsdam vorgestellt. Diese ist auch wie der neue Bildungscampus Sonnwendviertel ganz anders, als eine  herkömmliche Schule. Die Räumlichkeiten ähneln zwar sehr einer normalen Schule, allerdings ist die Unterrichtsgestaltung ebenso wie bei dem Bildungscampus sehr frei und offen. Die Schüler sind von 7-14 Jahre alt, und auch hier wird der Unterricht teilweiße Schulstufenübergreifend stattgefunden, so helfen beispielsweiße ältere Schüler den jüngeren beim Lernen. Zudem gibt es keine gewöhnlichen Unterrichtzeiten, es wird sehr viel auf Eigenständigkeit gesetzt und die Kinder können sich individuell entwickeln. Die Schulleiterin meint, dass es wichtig ist, die Kreativität zu fördern und jeder Schüler auf seinem eigenen Niveau lernen soll. Die älteren Schüler haben einmal monatlich ein einwöchiges Projekt, bei denen sie draußen arbeiten und praktisch etwas über die Umwelt lernen indem sie zum Beispiel Beete setzen. Aus dem Video kommt heraus, dass es in dieser Schule gar keinen normalen Regelunterricht gibt und die Kinder das lernen können, was sie möchten. Sogar der Mathematikunterricht wird praktisch erarbeitet.  In dem Video wird auch gesagt, dass Eltern die zum Tag der offenen Tür kommen, vergeblich nach gewöhnlichen Unterricht suchen und die Lehrer ihnen dann sagen, dass das was die Schüler machen Unterricht ist und dass die guten Leistungen daher kommen. Außerdem gewann sie den Brandenburger Wettbewerb „Innovative Schulen“. Wie auch bei dem Bildungscampus Sonnwendviertel, gibt es hier meiner Meinung nach Vor- und Nachteile. Diese Schule hat aber alles schon gut im Griff, daher sehe ich die Nachteile hier eher in der Zukunft der Kinder bzw. an den zukünftigen Schulweg, nach Besuch dieser Schule.


 Beurteilung  „Bildungscampus Sonnwendviertel“


Nachdem ich mir das Video, die Bilder und die zwei Artikel zum neuen Bildungscampus Sonnwendviertel angesehen habe, kann ich mir schon einiges darunter vorstellen. Allerdings muss ich sagen, dass ich mir nicht wirklich zu 100% vorstellen kann, wie genau das dort funktioniert, aber das wissen ja laut einem Artikel die Lehrerinnen auch noch nicht so recht. Natürlich weißt das neue Prinzip, welches sowohl auf pädagogischen als auch räumlichen Neuheiten basiert, viele Vor- und Nachteile auf, auf die ich genauer eingehen möchte.


 Nachteile:


Meiner Meinung nach, weißt der neue Bildungscampus viele Nachteile auf. Als erstes würde ich es nicht gerade begrüßen, wenn mein Kind im Kindergartenalter schon alleine durch das ganze Schulhaus laufen darf, wie es in dem Artikel „Bildungscampus Hauptbahnhof: Schule macht Schule“ gesagt wird. Ich bin mir zwar sicher, dass die Schule ein sicherer Ort ist, allerdings denke ich, dass 3-5 Jährige Kinder noch zu klein sind, um alleine durch solch einen großen Komplex zu laufen und die Aufsichtsperson kann sich somit auch nicht um alle Kinder kümmern. Der nächste Punkt ist, dass die neuen „Klassenräume“ wie auch eine Lehrerin in einen der Artikel sagte, nicht wirklich für normalen Unterricht geeignet sind. Und Unterricht, der ausschließlich aus Freiarbeiten besteht, ist auch nicht immer von Vorteil: Sicher sollen Kinder lernen, sich eigenständig etwas anzueignen, allerdings ist es meiner Meinung nach genauso wichtig, dass sie eine gewisse Struktur haben und auch normalen Unterricht haben. Denn durch die ganzen Freiarbeiten könnte grad von jüngeren Schülern vieles falsch verstanden werden, und die Lehrerin kann auch nicht gleichzeitig für alle Schüler da sein um jeden einzeln etwas zu erklären. Womit wird schon beim nächsten Punkt wären: Für mich klingt es so, als verlange dieses System viel mehr Betreuungspersonal und Lehrpersonal, zum einen, da sich die Schüler/Kindergartenkinder ja zumindest in den Pausen durchs ganze Schulhaus bewegen können und auch durch die Gestaltung des Unterrichtes mehr Lehrpersonen gefordert werden. Vor allem, da wir ja von Kindern im Alter von 0-14 reden. Natürlich sollten Kinder zur Selbstständigkeit erzogen werden, allerdings sollte dies langsam geschehen und nicht von einen tag auf den anderen. Außerdem gibt s ja verschiedene Typen von Schülern, wissbegierige Kinder werden in diesem System sicher einen Vorteil haben. Aber was ist mit den Schülern, die Struktur brauchen und von alleine nichts machen? Bleiben diese dann auf der Strecke? Der letzte Nachteil, auf den ich eingehen möchte, ist die Frage, was mit den Schülern passiert, wenn sie nach bis zu 14 Jahren dieses Konstrukt verlassen und „auf einmal“ in eine „normale“ Schule gehen müssen? Werden sie sich in den Standardschulen mit den „Normklassen“, „Normgängen“, „Normtafeln“ und vor allem den „Normunterricht“ überhaupt zurechtfinden können?

 Vorteile:


Natürlich gibt es auch einige Vorteile des neuen Campus. Diese sehe ich vor allem in der  Raumgestaltung (vielleicht abgesehen von den Klassenräumen), weniger in der Art, wie die Kinder unterrichtet werden. Frische Luft ist ja bekanntlich immer gut für Geist und Körper, dass sich die Kinder viel im freien Befinden können und es auch Freiluftklassen gibt, sehe ich als deutlichen Vorteil gegenüber anderen Schulen. Bei uns in der Schule wünschen sich die Schüler oft, dass der Unterricht draußen stattfinden könnte (vorausgesetzt es ist schönes und warmes Wetter). Dies ist allerdings kaum möglich, da wir keine passenden „Räumlichkeiten“ dafür haben. Außerdem können die Unterstufenschüler nur in der 15-minütigen Hofpause ins Freie gehen, was auch nicht sehr lang ist. Auch die gewohnte Umgebung ist ein Vorteil, da man sich ja in einem gewohnten Umfeld wohler fühlt und somit sicher auch leichter lernen kann. Auch die sogenannten Nester, als Rückzugsort für die Schüler finde ich eine gute Idee um sich zu entspannen und auch etwas auszuruhen. Zudem finde ich es gut, dass verschiedene Klassen zusammenarbeiten können, somit ist man nicht immer nur mit seinen Klassenkameraden zusammen und es kommt auch nicht so stark zu unterschiedlichen Entwicklungen der verschiedenen Klassen. Wie auch schon in den Nachteilen erwähnt, bietet das System für wissbegierige Schüler sicher die Möglichkeit, sich besser zu entfalten und weiterzuentwickeln.

Fazit:


Im Großen und Ganzen würde ich sagen, dass die Idee des Bildungscampus gut gemeint war, allerdings bin ich mir nicht so sicher, ob die Umsetzung genauso gut funktioniert. Meiner Meinung nach wurde in diesem Fall schon zu sehr auf die Räumlichkeiten geschaut und somit auch darauf unbedingt etwas Neues entwickeln zu können. Ich denke, dass es vor allem in den ersten paar Jahren des Bestehens zu Schwierigkeiten und Unklarheiten kommen wird und sich erst später einpendeln wird.



Persönliche Auseinandersetzung Schule


Ich denke, dass mir die Schule vor allem in den ersten 8 Jahren sehr viel ermöglicht hat. Ich war in einer Ganztagesvolksschule, die sowohl normalen Unterricht hatte, als auch viele Themenprojekte und Ausflüge. Ich bin immer gerne in die Schule gegangen und hatte sehr liebe Lehrerinnen. Das Gymnasium war natürlich eine Umstellung für mich, zum ersten Mal musste ich Hausaufgaben machen und hatte nur noch bis Mittag Schule. Allerdings ist mir diese Umstellung ziemlich leicht gefallen und ich habe mich auch schon nach einigen Tagen in der Schule, die am Tag der offenen Tür für mich noch ein „Labyrinth“ war, ziemlich schnell zurecht gefunden. In der Oberstufe wurden die Projekte und Exkursionen immer seltener, was ich ziemlich schade finde, da man zumindest zum Teil mit Praxisbezug lernen sollte. In der Schule habe ich mir Grundwissen und viel Allgemeinwissen angeeignet, aber auch soziale Kompetenzen wie Teamfähigkeit oder  respektvolles Umgehen miteinander habe ich in der Schule gelernt. Welche räumlichen Möglichkeiten ich nicht hab bzw. hatte, die ich gern gehabt hätte sind vor allem Freiluftklassen, da ich denke, dass man draußen viel lieber lernt als immer in einen geschlossenen Raum. Auch gerne hätte ich in der Unterstufe die Holfanlagen für die Pausen genützt, was damals aber noch gar nicht möglich war. Außerdem fehlen in unserer Schule Rückzugsorte bzw. Freizeiträume, die man zum Beispiel in den Freistunden nutzen kann.
Wenn ich Schule neu gestalten bzw. ändern könnte, würde ich wahrscheinlich den normalen Unterricht beibehalten, allerdings auch mehr Projekte und praktische Stunden einbauen um eine Abwechslung zur Theorie zu haben und sich einige Dinge auch selbst erarbeiten zu können. Außerdem würde ich mindestens eine längere Pause einführen, etwa für eine halbe Stunde um sich zwischen dem Unterricht auch mal etwas länger entspannen zu können. Vor allem in  der Oberstufe wäre es mir wichtig, dass Individualität gefördert wird und dass es vielleicht ein System gibt, in dem man sich wie zum Beispiel in Amerika die Fächer selber aussuchen kann, um so mehr Fächer zu haben, die einen interessieren und Fächer, von denen man genau weiß, dass man sie nie wieder in seiner Zukunft brauchen wird nicht , nicht besuchen muss. Was die Raumgestaltung betrifft, wären, wie schon erwähnt, mehr Freizeit- bzw. Rückzugsräume und Freiluftklassen eine gute Idee. Außerdem sollten die Klassen größer sein um diese durch z.B.: Couches schöner gestalten zu können.


Selbstbeurteilung: 


1. Beurteilungsraster


Video und Kommentar: Sehr ausführlich
Beurteilung Projekt Bildungscampus: Sehr ausführlich
Persönliche Auseinandersetzung Schule: Sehr Ausführlich


2. Persönlicher Kommentar: 


Ich habe diesen Arbeitsauftrag gewählt, da ich das Projekt Bildungscampus Sonnwendviertel sehr interessant fand und sehen wollte, welche Vor- und Nachteile es gegenüber anderen Schulen gibt. Ich fand es sehr interessant, mich mit diesem Thema auseinanderzusetzen.

Mittwoch, 24. September 2014

Raumplanung und Bildung

Eines der aktuell interessantesten und innovativsten Projekten der Wiener Stadtplanung ist der "Bildungscampus Sonnwendviertel" beim neuen Wiener Hauptbahnhof. (https://www.wien.gv.at/stadtentwicklung/architektur/oeffentliche-bauten/schulbauten/bildungscampus-hauptbahnhof.html)

Sieh dir das unten verlinkte Video und die Bilder an bzw. lies dir die beiden Texte durch. Setze dich anschließend mit folgenden Fragen auseinander:

  • Recherchiere auf youtube ein Video einer Schule, die schon ähnlich funktioniert, wie der neue Bildungscampus und poste es. Gib auch den Link zur Schulhomepage an.
  • Kommentiere das Video und reflektiere die Besonderheiten bzw. Ungewöhnlichkeiten.
  • Beurteile das Projekt "Bildungscampus Sonnwendviertel". Welche Vor- bzw. Nachteile kannst du erkennen? 
  • Schule neu denken: Nach mindesten 12 Jahren Schule und Kindergarten wirst du dieses Schuljahr deine Schullaufbahn beenden. Reflektiere die Chancen, die dir die Schule ermöglicht bzw. nicht ermöglicht hat und beziehe in deine Überlegungen auch räumliche Überlegungen mit ein. Wenn du die Möglichkeit hättest, Schule neu bzw. anders zu gestalten, was würdest du vorschlagen?



























Bildungscampus Hauptbahnhof: Schule macht Schule

24. August 2014, 09:00

 

Erster Spaziergang durch einen räumlichen Vorboten, der den Wiener Schulbau auf den Kopf stellen wird

Am 1. September ist Schulbeginn. Und damit startet für viele nicht nur der Ernst des Lebens, sondern auch eine neue Ära im österreichischen Schulbau. Erstmals seit Jahrzehnten werden die Jüngsten unserer Gesellschaft nicht mehr in neun mal sieben Meter große Standardklassen gequetscht, sondern können sich zwischen individuell gestalteten Ausbildungsräumen frei bewegen, können über sogenannte Marktplätze schlendern, können je nach Belieben mal drinnen, mal draußen lernen.
Pädagogische Revolution
Ort dieser pädagogischen Revolution, an die vor wenigen Jahren noch niemand so richtig glaubte, ist der Bildungscampus im Sonnwendviertel im Hinterland des neuen Wiener Hauptbahnhofs. Die letzten Handgriffe werden gerade gemacht. Die einen tragen höhenverstellbare Drehstühle durchs Haus und polieren die Edelstahlküchen auf Hochglanz, die anderen machen die letzten Verwaltungsrochaden und drucken die Stundenpläne aus. Bald kommen die Horden.
"In den letzten 15 Jahren haben wir so gut wie jede einzelne österreichische Schulausschreibung gelesen und studiert", erinnert sich Georg Poduschka, PPAG Architekten. "Doch diese eine Ausschreibung hat uns mehr als überrascht. Da waren keine räumlichen Vorgaben aufgelistet, sondern pädagogisch-funktionale Wünsche. Viele unserer Kolleginnen und Kollegen haben gar nicht glauben wollen, was die Magistratsabteilungen und der Stadtschulrat da hineingeschrieben haben."
Aus der Norm
Erstmals, seit er denken kann, habe sich Poduschka ernsthaft und tiefgreifend mit dem Thema Schulbau auseinandersetzen dürfen. Mit Erfolg. Von den insgesamt 102 Teilnehmern kamen neun Büros in die zweite Bewerbungsstufe. Gewonnen hat schließlich der eckig zusammengewürfelte Cluster von PPAG, der sich - im Grundriss betrachtet - wie ein Commodore-Pac-Man durch das Schulgelände frisst.
Die ungewöhnliche Form hat inhaltliche Gründe. Denn anders als in allen bisher bekannten Schulen werden hier keine Normklassen mit Normtafeln und Normwaschbecken an Normgänge mit Normbrandlast und Normfluchtwegen gefädelt. Stattdessen gruppieren sich jeweils vier Unterrichtsklassen um einen zentralen Marktplatz, der den Schülerinnen und Schülern zur Verfügung steht - und zwar nicht nur in den Pausen, sondern auch in den Schulstunden.
Freiluftklassen mit Pergola
Über vier Meter breite Glasfalttüren lassen sich die einzelnen Klassenräume zu einem riesigen Dorfplatz zusammenfassen. Wenn gewünscht, können auf diese Weise bis zu 100 Kids gleichzeitig - und zwar fächer- und auch schulstufenübergreifend - unterrichtet werden. An jede Klasse und jeden Cluster anschließend gibt es zudem Freiluftklassen, die mal witterungsgeschützt und mal mit einer schattenspendenden Pergola versehen sind. Projektunterricht bekommt damit eine vollkommen neue Dimension.
Oder, wie Georg Poduschka sagt: "Das ist ein Schulhaus für alle Kinder zwischen null und 14 Jahren, von Kindergarten über Volksschule bis hin zur Mittelschule. Ich finde das super. Als Kindergartenkind kann ich auf dem gesamten Gelände frei herumlaufen und meinen pubertierenden Bruder in seiner Schulklasse besuchen, wenn ich das will." Diese Offenheit und Transparenz ist Neuland in Österreich.
Offenheit, die überspringen soll
"Das ist ein Schulgebäude, das es in dieser Form bislang noch nie zuvor gegeben hat", erklärt Claudia Koch, Direktorin der Volksschule. "Die offene Bauweise ist ein baulicher Anspruch an das Lernen, dem man erst einmal gerecht werden muss. Doch unsere Pädagoginnen und Pädagogen sind aufgeschlossen und entwicklungsfreudig. Ich persönlich freue mich schon auf den Schulbetrieb."
Auch Andreas Gruber, Direktor der Neuen Mittelschule (NMS), meint: "Das ist eine ziemliche Umstellung, eine ziemliche Herausforderung, wie ich meine. Aber in erster Linie sehe ich den Bildungscampus als Chance, denn das ist genau das, wonach wir Pädagoginnen und Pädagogen uns in all den Jahren gesehnt haben. Ich denke, es ist eine Frage der Zeit, vielleicht sogar der Generationen, aber früher oder später wird diese Offenheit auch auf die Kinder überspringen."
Lese- und Schlafnische
Als ob das alles nicht schon neu genug wäre, verfügt jede Klasse über eine rund 15 Quadratmeter große Raumnische. Hierher können sich die Kinder zum Lesen oder Schlafen zurückziehen. Es sei jener abgeschiedene Privatbereich, so Architekt Poduschka, der als Ausgleich zum stundenlangen Unterricht so unglaublich wichtig sei, üblicherweise jedoch hinter einer selbst zusammengebastelten Schrankwand versteckt werde. Hier muss sich die Muße nicht maskieren.
Die Neuerungen auf dem 1100 Schüler fassenden Bildungscampus, der leider nicht so bunt ist wie sein räumlich innovatives Konzept, sondern sich hinter einem Farbkonzept aus Schwarz, Weiß und militärischer Schlammtarnfarbe zurücknimmt, gehen bis ins kleinste Detail. So entwickelten die PPAG Architekten sogar einen neuen, sechseckigen Schultisch, an dem bis zu drei Schüler sitzen können. Drehstühle mit höhenverstellbarer Fußstütze machen's möglich. Bei Bedarf ist sogar noch Platz für eine Lehrperson.
Billiger als veranschlagt
Und anstatt grüner Schiefertafeln gibt es sogenannte Whiteboards. Diese können den händisch geschriebenen Text nicht nur speichern, sondern auch in ein digitales Word-Dokument umwandeln. Auf diese Weise lässt sich mit anderen Klassen virtuell kommunizieren. Möge die bessere Lehrmethode gewinnen. Das enervierende Quietschen und Kreischen der Kreide ist damit Geschichte.
Von den veranschlagten 47 Millionen Euro Baukosten (Gesamtinvestitionskosten 79 Millionen Euro) wurden nur 37 Millionen verbaut. Das ist eine Reduktion um mehr als 20 Prozent. Für diese rechnerische Leistung gebührt den PPAG Architekten ein glattes "Sehr gut". Schade nur, dass von den einst geplanten Vogelbrutkästen, Brieftaubenstationen, Bienenhäusern und frei herumlaufenden Igeln und Katzentieren nichts geworden ist. So weit traut sich die österreichische Bürokratie dann wohl doch nicht aus dem Fenster zu lehnen.
"Wendepunkt im Wiener Schulbau"
"Kompromisse muss man immer eingehen, und es kann sein, dass sich der Bildungscampus am Hauptbahnhof in den letzten Jahren von der ersten Konzeptskizze bis zur Fertigstellung da und dort auch architektonisch verändert hat", meint Karin Schwarz-Viechtbauer, Direktorin des Österreichischen Instituts für Schul- und Sportstättenbau (ÖISS). "Räumlich jedoch ist der Campus exakt so geworden, wie PPAG ihn entworfen hat. Damit markiert die Pilotschule einen Wendepunkt im Wiener Schulbau und definiert die Stoßrichtung für die kommenden Jahre."
Die folgenden Bildungscampus-Bauten sind bereits in Planung und in Bau. Unter dem Arbeitstitel "Campus plus" verfolgt die Stadt Wien das Konzept weiter und errichtet in der Seestadt Aspern und in Kagran weitere Projekte, die hoffentlich Schule machen werden. Auch ohne Normschüler und ohne Normkatalog. "Die nächsten Pilotprojekte werden für die Zukunft des Wiener Schulbaus ausschlaggebend sein", so Schwarz-Viechtbauer. (Wojciech Czaja, DER STANDARD, Album, 23.8.2014)


Sonnwendviertel: Eine Schule, die zum Ausprobieren zwingt
   (Die Presse)
Es riecht weder nach Linoleum noch nach Kreide und außergewöhnlich ruhig ist es auch: Der neue Bildungscampus im Sonnwendviertel unweit des Wiener Hauptbahnhofs ist seit dreieinhalb Wochen in Betrieb – und gerade dabei, sich zu füllen. Knapp 500 Kinder zwischen null und 14 Jahren besuchen derzeit Kindergarten, Volksschule oder Neue Mittelschule. Voll besetzt sollen es in drei Jahren rund 1100 Kinder sein. Ungewöhnlicher als die Tatsache, dass die Schule sozusagen erst wachsen muss, sind aber die Räumlichkeiten selbst. Denn architektonisch hat der Campus wenig mit einer herkömmlichen Schule gemein.
Neun Mal sieben Meter große Klassenzimmer, nackte Gänge, hie und da unterbrochen von Pausenräumen, sucht man hier vergeblich. Ganz genauso wie das klassische Konferenzzimmer und die genormten Schulbänke. Stattdessen gibt es Marktplätze und Cluster, Teamräume und Nester. Dazwischen: durchgängige Glaswände. In den Klassen: eigens designte Schultische in Form unregelmäßiger Sechsecke – für drei statt für zwei Schüler gedacht.

Der dritte Pädagoge

Dabei sieht das neue Schulgebäude von außen recht unspektakulär aus: schlammfarbene Fronten, schachtelartige Gebäudeteile, metallene Stiegen. Nicht gerade so, als würde sich hier die architektonische Revolution abspielen. Dabei hat wirklich eine gewisse Revolution stattgefunden. Gewünscht war von der Stadt Wien nicht eine Schule nach Norm, sondern eine, in der es beispielsweise möglich sein sollte, einen größeren Anteil des Unterrichts in Freiarbeit zu bestreiten. Also pädagogische Konzepte in Architektur gegossen. Der Raum als dritter Pädagoge – neben dem Lehrer und den Mitschülern. Das Wiener Architekturbüro PPAG hat das in einer Art Dorfstruktur umgesetzt.
So tummeln sich gerade die Volksschüler – statt in der Klasse zu sitzen – mit ihren Arbeitsblättern auf einem sogenannten Marktplatz. Die Marktplätze sind das Herzstück des Konzepts: Um diese Freiflächen, die für das Arbeiten genauso genutzt werden können wie für die Pause und in denen in der Volksschule sogar zu Mittag gegessen wird, sind je vier Klassenräume angeordnet. Jeder davon hat wiederum ein sogenanntes Nest: eine Art erhöhte Nische mit Pölstern und Sitzsäcken, die die Schüler zum Lesen, Lernen, Ausruhen verwenden können. Und auch ein Stück Garten oder Terrasse, das direkt zugänglich ist. Demnächst sollen dort Lauben aufgestellt werden und farbige Sitzmöbel aus Kunststoff, ähnlich den sogenannten Enzis, mit denen das Büro PPAG schon das Wiener Museumsquartier prägte. Wozu auch immer diese dann genutzt werden.
Das ist ein Anspruch, dem die Lehrerinnen und Lehrer erst einmal gerecht werden müssen. „Es ist ein Ausprobieren“, sagt NMS-Lehrerin Melitta Miletich im sogenannten Teamraum – einer Art Mini-Lehrerzimmer, wie es an jedem Marktplatz ebenfalls zu finden ist. „Anfangs war ich ehrlich gesagt ein bisschen überfordert. Was tun wir mit dem Marktplatz? Wofür nutzen wir das Nest? Und das geht noch weiter: Ich bin neugierig, wie es laufen wird, wenn demnächst auch die Freiflächen zugänglich sind.“ Man müsse sich den Raum langsam erarbeiten. Das gelte für Lehrer wie Schüler.
Zu wievielt sitzt man bequem an den eigentlich für drei ausgerichteten Tischen? Was passiert im Nest? Wohin mit den Schultaschen? Mit den Materialien? Wo steht, wo sitzt die Lehrerin, wenn es keinen großen Lehrertisch mehr gibt? Wie sind Elemente von Frontalunterricht möglich – wenn die Tische so gestaltet sind, dass irgendwer immer den Kopf verdrehen muss, wenn auf dem digitalen Whiteboard etwas erklärt wird? „Wir Lehrer haben immer danach gerufen, dass Schulen heute anders aussehen müssen“, sagt Miletich. „Und jetzt stellt sich die Frage: Was kann man daraus machen? Macht das etwas mit mir? Mit den Schülern? Man spürt einiges – aber es ist noch zu früh, um zu sagen, was genau.“

Die Farbe kommt noch

Überhaupt gibt es noch so einiges, was passieren wird. Auch farblich soll sich noch etwas tun. Und das Konzept, das innen ähnlich zurückhaltend ist wie außen – schlammfarben, sandfarben, grau – ein bisschen aufgebrochen werden. „Willkommen“, steht schon in bunter Kreide auf einer mit Tafellack überzogenen Wand – einer jener Flächen, auf der sich die Schüler kreativ austoben können.
Ob sie auch die farbigen Ornamente ergänzen dürfen, die auf den Wänden aus Sichtbeton anzeigen, in welchem Bauteil man sich befindet, muss dagegen erst geklärt werden. NMS-Schulleiter Andreas Gruber würde es jedenfalls gefallen. Denn immerhin wäre das auch eine Form, sich den Raum anzueignen.

AUF EINEN BLICK

Sonnwendviertel. Der 20.000 Quadratmeter große Campus in Wien Favoriten ist der erste für Null- bis 14-Jährige. In drei Jahren soll er elf Kindergartengruppen, 17 Klassen der Ganztagsvolksschule und 16 Klassen der ganztägigen NMS umfassen. Dafür veranschlagte Errichtungskosten: 79 Millionen Euro.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.09.2014)


Beurteilungsraster "Raumplanung und Bildung"

1. Beurteilungsraster
Beurteilungskriterium
Abstufungen
Video und Kommentar
sehr ausführlich
ausführlich
ausreichend
minimalistisch
zu wenig
Beurteilung Projekt Bildungscampus
sehr ausführlich
ausführlich
ausreichend
minimalistisch
zu wenig
Persönliche Auseinandersetzung Schule
sehr ausführlich
ausführlich
ausreichend
minimalistisch
zu wenig


2. Persönlicher Kommentar